


Sie blickte auf eine große Dschungel- lichtung, die über und über mit einem Teppich roter, blauer und lachsfarbener Rosen bedeckt war. Der Duft, der von ihnen ausging, war so berauschend, daß Genia für mehrere Atemzüge die Sinne schwanden.
Inmitten des Blumenmeers aber thronten neun steinerne Stelen, die von wilden Kletterrosen überrankt wurden. Rechter Hand schmiegte sich ein kleiner, verträumter See mit unzähligen weißen Wasserrosen an einen dunklen Felsen, der den gegenüberliegenden Rand der Lichtung einnahm. An dem Gestein war eine Dornenhecke emporgewuchert, die sich im Halbrund bis zum äußeren Rand des Hains erstreckte.
Heftig blinzelte die Prinzessin, doch der wundersame Ort blieb. Nach dem undurchdringlichen Grün des Dschungels schien es ihr, als wäre er in seiner Schönheit direkt einem Märchen entsprungen. Und doch ... Sie war sich sicher, den Ort von irgendwoher zu kennen. Natürlich. Aus Venabulae! Die Wandgemälde aus dem Rosenzimmer!
Ihre Mutter, Kaiserin Pinella, hatte sie für einen ihrer seltenen Besuche im Schwebenden Palast von einem Künstler aus Pentarosae anfertigen lassen. In den ersten Monden ihrer Verbannung hatte Genia viele Stunden davor verbracht.
Salada hatte ihr vor vielen Jahren erzählt, daß diese Bilder Odia darstellten, die alte Schutzpatronin Pentarosaes und ihre Taufpatin. Genia erinnerte sich daran, daß die Fee auf dem letzten jener Wandgemälde vor einem kleinen Spiegel zu sehen war. Nur wer direkt an das Bild herantrat, konnte erkennen, daß in diesem Spiegel klein und unscheinbar das mythische Refugium Odias abgebildet war: der Dornenhain!
Genia lachte befreit. Ihre Bitte war erhört worden. Sie hatte ihr Ziel erreicht.
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