


Leseprobe:
Gestrandet
Meer des Schlafes, auf einem Eiland nahe der Küste, am 9. Tag des Grünen Erntemondes zur Mittagszeit, im 459. Jahr der Abwesenheit Gottes
Gleich dem Atem eines lauernden Jägers schwebte das Geräusch über dem Wasser; es klang fremd und auf eigentümliche Weise bedrohlich. Nukulahi hielt in seiner Arbeit inne und blickte sich aufmerksam um. Doch ebenso unerwartet, wie der Laut an seine Ohren gedrungen war, ebbte er wieder ab.
Der Küstenstreifen, auf dem der coleopäische Prinz stand, war, soweit das Auge reichte, mit schwefeligem Sand, ölig glänzenden Steinen und Büscheln vertrockneten Grases bedeckt. Wie meist um diese Tageszeit hatte der Seewind aufgefrischt und trug einen schwachen Geruch nach verfaulten Eiern heran.
Doch was mochte das Geräusch verursacht haben?
Nukulahi ermahnte sich, wachsam zu bleiben.Schiffsführerin Surjadora hatte ihm das Kommando über ein gutes Dutzend Seeleute anvertraut, mit denen er mehrmals in der Woche mit dem Beiboot der Stern von Andhakleia und zwei Flößen, die aus Resten des zerstörten Vorderkastells ihrer Karavelle gefertigt waren, vom hiesigen Eiland aus zum nahen Festland übersetzte. Die mühsame Plackerei war notwendig, um möglichst unbemerkt von etwaigen Feinden die Reparatur an der schwer beschädigten Karavelle ausführen zu können, mit der sie vor so langer Zeit erst in den Osten und schließlich in den Süden Ajunas aufgebrochen waren.
Der Prinz erinnerte sich noch gut an jenen unheilvollen Tag, da sie in Sadi einen Lotsen an Bord genommen hatten, der sie unversehrt durch das Meer des Schlafes hätte führen sollen. Doch statt seinen Auftrag zu erfüllen, hatte der Fremde sie in ein gefährliches Blasenmeer gelockt, dessen giftigem Odem die halbe Mannschaft erlegen war.
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