Damit sind wir schon bei einer der wichtigsten Regeln: Namen. Figuren haben einen Namen, auf den man sich als Autor und Leser wesentlich öfter bezieht als darauf, ob die Figur dick oder dünn ist. Ist man nicht wachsam, so beginnt bald jeder Namen mit dem Buchstaben A, vor allem, wenn es sich um unwichtige Nebenfiguren handelt, mit denen man sich nicht lange beschäftigen will: Alana spricht mit Amana. Akana tritt hinzu und erzählt von Bekana. Zudem möchte man auch nicht, dass in einer Kultur mit geringer Mobilität die Kinder von Vater Heinrich und Mutter Friederike, Olaf, Pierre und Sydney heißen.
Das Internet ist ein nützliches Hilfsmittel, vorausgesetzt, man hat eine vage Ahnung, wo etwas zu finden sein könnte. So gibt es etwa Wörterbücher bzw. Wortlisten verbreiteter, aber auch exotischer Sprachen. Es gibt auch Namenslisten, die man leicht modifiziert verwenden kann. Leicht heißt hierbei etwa: Männernamen enden auf -u oder -ui, Adelsnamen haben wegen etwas anderer ethnischer Herkunft ihrer Träger gehäuft Doppelkonsonanten.
Dem ursprünglichen Arbeitstitel für Ikarilla folgend - polynesische Reitervölker - sah ich mich zunächst bei polynesischen Namen um. Für einen Mitteleuropäer sind sie schwer zu merken. Ich habe ein paar wenige in boshafter Absicht übernommen, etwa Mafileokaveka. Aber für eine breitere Verwendung waren sie völlig ungeeignet. Vielversprechender war ein anderer Ansatz: den samoanischen Sprechgepflogenheiten angepasste europäische Namen. Das Ergebnis wirkt meines Erachtens gleichzeitig vertraut und fremd: Keloe (Chloe), Lasalu (Lazarus). Diese Herangehensweise hat noch den Vorteil, dass man sich leicht ähnliche Namen basteln kann. Hat man einmal Kaperielu und Mekaelu, so fallen Refaelu und Ulielu gar nicht als neue Konstrukte auf.
Eine Figur des Romans erforderte ganz spezielle Regeln, nämlich Fiiij-der-Flinke-Hacker-fiiij. Ein Tier als aktiver Handlungsträger ist heikel. Niemand weiß, wie es dächte, wenn es dächte und ob man seine Gedanken als Mensch verstünde. Aber das ist auch völlig unwichtig. Es reichte, wenn Fiiij anders dachte als ein Mensch. Hierfür gibt es sicherlich unzählige Möglichkeiten. Doch aus dem Bedürfnis einen Grund zu haben, warum ich mache, was ich mache, habe ich Fiiijs Gedankenwelt nach visuellen Eindrücken entwickelt.





