Die Anatomie einer Katastrophe
von Bernhard Hennen
 


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Die Vielzahl von Katastrophen, von der die Gezeitenwelt nach ajunäischem Kalender im 458. Jahr der Abwesenheit Gottes heimgesucht wird, hat ihren Ursprung in einem kosmischen Ereignis, das vor über 1000 Jahren mit dem Zusammenstoß zweier Eisbrocken seinen Anfang nahm. Zugegeben, es waren zwei recht große Eisbrocken. Es handelte sich um zwei Asteroiden, die aufeinanderprallten, wobei der kleinere der beiden Brocken aus seiner Bahn geriet und eine Reise begann, die eine ganze Welt zu vernichten droht. Die beiden kosmischen Trümmerstücke gehörten zu einer riesigen Wolke, die sich, ähnlich der Oortschen Wolke, wie eine Kugelschale um den Rand des Sonnensystems erstreckt, zu dem die Gezeitenwelt gehört.

Dieser »kleinere Eisbrocken« vom Rand des Sonnensystems hat einen Durchmesser von etwa 550 Kilometern. Er ist ein Gebilde, das Astronomen einen »schmutzigen Schneeball« nennen, da es zu mehr als 80 Prozent aus Eis besteht. Als sogenannter langperiodischer Komet kreist er nun in einer weiten Ellipse durch das All, wobei er auf seiner Reise die Umlaufbahn schneidet, auf der die Gezeitenwelt um ihre Sonne kreist. Vor einigen Jahrhunderten kam es zum ersten Mal zu einer Beinahekollision mit der Gezeitenwelt und im 458. Jahr der Abwesenheit Gottes nähert sich dieser Planetenkiller erneut.

Die Gezeitenwelt ist eine Welt, deren Hochkulturen ein Niveau erreicht haben, das mit der irdischen Renaissance vergleichbar ist. Obwohl man in Andhakleia bereits »Himmelsrohre« kennt, wird der Komet erst relativ spät beobachtet. Am 24. Tag des Roten Erntemondes im 458. Jahr der Abwesenheit Gottes sieht der Astronom Varuidas von der Sternwarte der Universität zu Andhakleia, als wohl erster Beobachter auf der Gezeitenwelt einen neuen, winzigen Fleck am Sternenhimmel.

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